Die schweigende Masse

Die schweigende Masse


Als hätten wir es nicht schon erlebt. Aber halt, wir haben es eben nicht erlebt, sondern unsere Großeltern. Leben wir doch in einem Land, in dem die Frage: „Wie konnte das passieren“ allgegenwärtig und ein kollektives „Das wird uns nicht passieren“ tief in unserer Überzeugung verankert ist.


Und doch erleben wir eine Zeit, in der die demokratische Politik herbe Rückschläge hinnehmen muss. Es gelingt, in immer mehr Ländern, demokratisches Denken auszuhebeln und Diktatoren bzw. Autokraten, starke, autoritätsverliebte und gewaltbereite Männer, an die Macht zu bringen. Machthaber deren einziges Interesse darin besteht, ihren eigenen Machtanspruch durchzusetzen und dabei Wort wörtlich bereit sind, über Leichen zu gehen.


Dabei ist die gewaltbereite Masse, die überall eine echte Minderheit ist, der wichtigste Motor. Menschen die auf Grund ihrer Bildung, gepaart mit einer Gewaltbereitschaft für sich eine Verbesserung ihres Lebens erhoffen, in dem sie das anbieten, was sie können. Loyal folgen, Laut und bei Bedarf auch gewalttätig sein. Das sind diejenigen, die wir hören.


Die Menschen die differenzieren, die Welt nicht in Schwarz/Weiß teilen, aber sind eben nicht die Lauten. Für sie gibt es keine einfachen Parolen, die sie in die Welt hinausbrüllen mögen. Und darin liegt das Problem, anstelle den Leisen und denen mit viel Wissen Aufmerksamkeit zu schenken, richten wir unser Augenmerk auf die Lauten. Warum geben wir ihnen diese Macht über uns, warum überhaupt versuchen wir mit verbohrten, verblendeten Menschen sinnvoll zu sprechen, anstelle auf Menschen zu hören, die Wissen wovon sie sprechen. Warum hat ein lauter, gewaltbereiter Haufen, mehr gehör, als zum Beispiel ein mit Fakten argumentierender Wissenschaftler.


Die Frage ist doch nicht „warum schweigt die Masse“ sondern „warum hören wir nur die Lauten“.

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